Die Blutegeltherapie wird schon in Zeiten des Hippokrates (ca. 460-380 v.Chr.) erwähnt, jedoch eine breite therapeutische Anwendung der Egel wird erst im 1. Jahrhundert in Indien betrieben. Im 16. Jh. werden die Blutegel neben Schröpfen zur Therapie der „Körperfülle“ – Zustände benutzt, jedoch erst ab dem 18.Jhd. werden sie zur Therapie bei Tausenden von Patienten mit großem Erfolg gebraucht.
Blutegel ( = Hirudineen) sind nahe Verwandte der Regenwürmer und halten sich nur in sehr sauberen Gewässer auf. Sie sind durchschnittlich 12-15 cm lang und ernähren sich mit Blut, das sie mit einem Saugnapf aus sehr kleinen Wunden saugen. Je nach Egelgröße können sie bis zu 15 – 20g (bei einem Gewicht von 5g) Blut saugen. Nach 30- 60 Min. fallen sie gesättigt von alleine ab und brauchen dann praktisch über 2-4 Monate keine Nahrung mehr.
Damit das Blut nicht gerinnt, versetzen sie es durch die Speichel mit Enzymen, die das Blut flüssig halten.
Diese Enzyme haben eine wunderbare heilende Wirkung auf viele Krankheitszustände. Hauptbestandteil der Speichel ist das Enzym Hirudin, das eine sehr starke Wirkung auf die Blutgerinnung zeigt. Es wirkt stärker als Heparin und wird vom Körper sehr gut toleriert.
Welche Krankheiten werden mit Blutegel mit großem Erfolg behandelt?
- Blutergüsse nach starken Prellungen
- Durchblutungsstörungen in Beinen von Seite der Arterien, Venen oder Lymphen
- Thrombosen und dessen Folgen, wie anhaltende Schwellungen oder offene Beine
- Gewisse Arten von Kopfschmerzen, Migräne, Tinnitus,
- Entzündungen der Haut, Unterhaut, besonderes an den Füßen
- Schmerzen oder Entzündungen an den Muskel, Gelenken
- In der plastischen Chirurgie werden sie oft zur Unterstützung der Durchblutung des verpflanzten Gewebe angewendet.
Wann dürfen die Egel nicht angewendet werden?
Jede der oben genannten Krankheiten muss vorher durch den Arzt über die Ursache ihrer Entstehung und Art geklärt werden. Das ermöglicht die moderne Diagnostik und anschließend die adäquate Therapie. Bei fehlendem Erfolg oder geringer Besserung der Beschwerden sind die Blutegel sicherlich eine ausgezeichnete Alternative, um dem Patienten Linderung zu verschaffen.
Kontraindikationen sind: das Vorliegen der Blutgerinnungsstörung bei den sog. Blutern; Patienten, die mit Marcumar behandelt wurden; ausgeprägte Immunschwäche; deutliche Anämie; Neigung zur Narbenwucherung, sog. Keloid - Bildung. Selten gibt es Egel, die nicht vertragen werden können (Allergieart).
Nach Anwendung des Egels kommt aus der kleinen Wunde über mehrere Stunden (bis 24 h) Blut oder blutiges Sekret heraus. Die Wunde wird steril verbunden. Manchmal muss der Verband mehrmals gewechselt werden. An der Wunde kann sich ein starker Juckreiz entwickeln, der aber keiner besonderen Behandlung bedarf und eher als Beweis der Wirksamkeit der Enzyme gedeutet wird. Anhaltende Rötung und Schwellung im Wundbereich sind selten und werden entsprechend lokal behandelt.
Literatur: Müller, Ingo Wilhelm: Handbuch der Blutegeltherapie , Haug Verlag, 2000.
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